Polyneurophatie

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Poly-Was?

Wenn Hände und Füße taub werden. Polyneuropathie ist der Oberbegriff für bestimmte Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die mehrere Nerven betreffen. Abhängig von der jeweiligen Ursache können motorische, sensible oder auch vegetative Nerven gemeinsam oder auch schwerpunktmäßig betroffen sein.

Quelle Wikipedia

Polyneurophatie Prophylaxe

Zu Beginn der letzten 12 Paclitaxel Zyklen, dachte ich, ich sei eigentlich ganz gut ausgestattet und vorbereitet gewesen. Ich hatte mir nach Anweisung meiner Onkologin, Adiletten mit Noppen, Kühlhandschuhe und Kühlsocken besorgt, Freunde nach einem Kühltaschenverleih gefragt und extra zusätzliche Kühlakkus gekauft. Da ich von allen Seiten hörte, dass die Paclitaxel nicht so schlimm sein sollten, wie die ersten 4 EC Chemo-Infusionen, hatte ich mich schon fast auf einen Spaziergang eingestellt.

„Easy – das werden sicherlich drei einfachere Monate“, dachte ich.

Kaum merklich schlichen sich nach und nach seltsame Taubheitsgefühle an den Händen und Füssen ein. Immer mehr schliefen auch nachts die Hände ein. So lange das immer wieder wegging, dachte ich mir nichts dabei. Und somit steckte ich jeden Abend meine Hände in meine selbstgebastelten Fühlgärten und lief den ganzen Tag mit meinen Adiletten durch die Wohnung.

Reis-Fühlgarten
Chiasamen-Fühlgarten
Mungobohnen-Fühlgarten

Geht das wieder weg?

Leider blieb es nicht dabei. Nach der vorletzten Chemo gingen die Empfindungsstörungen einfach nicht mehr weg. Die Hände fühlten sich permanent so an, als wäre ich gerade von der Kälte wieder in die Wärme gekommen. Ein Kribbeln und ein unangenehmes Druckgefühl auf den Fingerkuppen blieben als Dauerzustand übrig. Als sich nach einer Woche nichts mehr veränderte, fragte ich bei meiner Onkologin nach.

Die Antwort war deutlich. „Bitte einmal zum Neurologen und die nächste Chemo aussetzen!“ Kurz vor dem Ende der letzten Chemo fühlte sich der Stop sehr irreal an. Wie wenn man sich bei einem Marathon einfach einen Meter vor der Ziellinie hinsetzen und ersteinmal pausieren würde. Aber die Aussicht darauf, dass die Taubheit an den Händen und Füßen als Dauerzustand nicht mehr weggehen könnte, ließ mich tatsächlich innehalten und nachdenklich werden.

Die Neurologin machte mit mir verschiedene Tests und fand heraus, dass meine Nervenreflexe tatsächlich verlangsamt waren. Eine Elektroneurographie zeigte zum Glück noch gute Werte an. Nach Aussage der Neurologin, sollten die Messungen auch nur begrenzt aussagekräftig sein. Da Nervenschädigungen je Mensch unterschiedlich empfunden werden, so sagte sie mir, dass sie mir keine Heilung versprechen könnte. Erfahrungsgemäß sagte sie, dass wenn die Nerven einmal angegriffen sind, könnten die Schädigungen bei der nächsten Chemo sprunghaft ansteigen. Sie riet mir dazu, die letzte Chemo, wenn möglich, nicht mehr zu machen und verschrieb mir 10 Ergotherapie Sitzungen.

Meine Onkologin konnte mir die Gewissheit leider auch nicht geben, ob die Nerven sich jemals erholen würden. Zusätzlich war der Tumor auch noch nicht vollständig verschwunden, so dass sie mir daher weiter zur letzten Chemotherapie riet. Wir vereinbarten eine weitere Pausenwoche, um zu sehen, ob sich die Hände und Füsse etwas erholen würden. In dieser Zeit konnte ich die Ergotherapie angehen und mich etwas erholen.

Ergotherapie

Zum Glück, bekam ich schnell einen Termin für die Ergotherapie-Begleitung. Die Therapheutin macht unterschiedliche Übungen mit mir. Zusätzlich zu meinen eigenen Fühlgärten, durfte ich meine Hände immer am Anfang der Sitzung in einen speziellen Therapie-Raps tunken. Die Therapeutin meinte, sie hätte noch niemanden getroffen, der sich jedes Mal so sehr über das Bällebad freut, wie ich mich. Zusätzlich legte sie mir verschiedene Oberflächen vor, die ich mit geschlossenen Augen erkennen sollte. In einer weiteren Übung mit verschiedenen Pinselstärken, testete sie mein Feingefühl an den Fingerkuppen. Dabei stellte sich heraus, dass die rechte Hand stärker betroffen war, als die linke Hand.

Nach einem Besuch beim türkischen Supermarkt um die Ecke ergänzte ich daraufhin meine eigenen Fühlgärten aus Reis, Mungobohnen und Sand vom Elbstrand noch um Chiasamen und Erbsen. Des Weiteren pinselte ich abends meine Hände mit meinen Malpinseln und knetete ab und zu einen Massageball mit Noppen. Auch eine kleine Fussmassage vorm Schlafengehen erwies sich als sehr angenehm.

Yoga

Zu Beginn des zweiten Chemo Zyklus hatte mir meine Onkologin auch geraten, täglich Yoga Übungen zu machen. Dies stärkt zum einen die Muskulatur und zum anderen auch die Körper Balance, vor allen Dingen, wenn die Nerven angegriffen werden. Ich war früher kein großer Yoga Fan, fand aber die Übungen sehr hilfreich, da sich dadurch das Ziehen und Kribbeln in den Händen und Füssen nach der Chemotherapie verbesserte.

Mady Morrison wurde somit in Zeiten des Lockdowns eine treue Begleiterin. Auf ihrem Youtube Channel finden sich verschiedenste Übungen für unterschiedliche Könnensgruppen. Ich habe diverse Übungen durchprobiert, um am Ende zu wissen, welche Übungen mir gut getan haben.

Nach der letzten Chemo

Nach drei Wochen Pause fühlten sich die Hände minimal besser an, so dass ich doch meine letzte Chemotherapie durchführen konnte. Die Hände fühlten sich danach wieder etwas schlechter an, jedoch blieb die sprunghafte Verschlechterung aus. Nach nunmehr 4 Wochen nach der letzten Chemo, sind die Fingerkuppen immer noch nicht wieder hergestellt. Auch werden die Füße steif und die Zehen tun weh. Es wird aber minimal besser. Wenn auch in sehr sehr kleinen Minischritten. Ob sich die Hände und Füße langfristig wieder erholen werden, wird sich zeigen. Bis dahin mache ich meine Übungen weiter und gehe zur Ergotherapie.

Bei Polyneurophatie

  1. Fühlgärten (Reis, Bohnen, Sand, Chiasamen, Erbsen) – 5 Min. täglich
  2. Yoga Balance Übungen – 30 Min. täglich
  3. Massagebälle beim Spazierengehen kneten
  4. Fussmassagen vor dem Schlafengehen
  5. Diverse Oberflächen bewusst streicheln
  6. Dusch-Massage für die Fingerkuppen morgens beim Duschen
  7. Wechselbäder für Füsse und Hände
  8. Hände und Füsse kühlen: eine halbe Stunde vor und während der Chemo, 2 Stunden nach der Chemo
  9. Adiletten mit Noppen als Hausschuhe tragen

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