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Endlich erholen

Nach der Reha kam ich zu Hause an und hatte solche Rippenschmerzen, dass ich nicht mehr richtig durchatmen konnte. Mein sehnlichster Wunsch: einfach wieder schmerzfrei zu sein.

Einfach wieder atmen

Irgendetwas hatte sich verrenkt. Ob der Physiotherapeut, der versucht hatte, mich in der Reha mit Druck nochmal einzuränken, irgendetwas verschoben hatte? Ich weiß es nicht. Ich hatte solche Schmerzen, dass an ein tiefes Durchatmen nicht mehr zu denken war. Jeglicher Druck von hinten oder von der Seite auf die Rippenregion, die der Bestrahlung und der Gürtelrose ausgesetzt gewesen war, tat höllisch weh. Schlafen war auch nur begrenzt möglich. Rückenlage ging nur begrenzt. Auch das Abstützen auf Hände oder ein Drehen im Liegen ging nicht. Als erstes besorgte ich mir daher von meiner Hausärztin ein Rezept für die Physiotherapie. Schon nach der ersten Session, konnte ich zwei Tage später etewas besser atmen.

Nach einer weiteren Behandlung ging es mir schon deutlich besser, so dass ich mit einem Freund einen kleinen Wochenendtripp machen konnte. Wenn auch immer noch etwas eingeschränkt. Ich war einfach nur dankbar, die Blockade beim Atmen nicht mehr zu haben.

Für alle anderen Baustellen machte ich mir ersteinmal eine Liste, um nicht den Überblick zu verlieren:

  • Psychonkologie des UKEs (Ich war mit meiner Verhaltenstherapie, die ich mit der Chemo angefangen hatte, nicht zufrieden. In der Reflexion während der Reha wurde mir klar, dass ich eine Therapie für mich finden wollte, die mich emotional mehr berühren würde)
  • Hämtoonkologe (Da die Blutwerte nach der Reha immer noch im Keller waren, hatten wir vereinbart, dass ich mich nochmal vorstellen sollte)
  • Erstgespräche zur Wiedereingliederung mit meinem Arbeitgeber (Da es mir körperlich nicht gut ging, war klar, dass ein Wiedereinstieg am Ende des Jahres nicht machbar war)
  • Akupunktur
  • Osteophatie
  • Lymphdrainage für die Brust
  • T-Rena Programm (Den Antrag für das Sport-Programm nach der Reha konnte ich noch rechtzeitig mit der Sonneneck Klinik klären, bevor diese dann geschlossen wurde)
  • BEM Antrag mit der Gynäkologin

Zwischen Urlaub und Arztbesuchen

Eigentlich standen mehrere kleine Urlaube an, die ursprünglich schon vorher geplant gewesen waren, aber wegen der ganzen Reha Verzögerung im Sommer nicht stattfinden konnten. So wollte ich mit meiner Familie auf den Darss und mit einer Freundin nach Dänemark. Zwischen den Urlauben, arbeitete ich brav meine Liste ab und hoffte meine Genesung würde schnell anschlagen. Bei dem Ostheopathen Termin jedoch weigerte dieser mich zu behandeln, da ich nach ein paar Drucktests auf meinem Brustkorb wieder aufschrie. Seiner Meinung nach, war da etwas nicht in Ordnung und ich sollte bitte ein Röntgenbild machen lassen. Aus dem Röntgenbild wurde auf Grund meines Hintergrundes ein CT. Und bei mir gingen wieder alle Alarmglocken an. Zum Glück konnte man nichts feststellen. Und ich fuhr erleichtert zu meinere Familie auf den Darss.

Bei einem Spaiziergang an der Ostsee lief auf einmal eine Surferin an mir vorbei. Sehnsüchtig lief ich ein paar Meter hinter ihr her und war neidisch, dass sie einfach so sorglos mit ihrem Board in Richtung Ostsee marschierte. Durch den Wind waren die Wellen jedoch so ungeordnet, dass man nicht wirklich surfen konnte. Und ich sagte mir, dass einfach noch nicht Zeit für mich gekommen ist.

Verzweiflungstaping

Vor meinem letzten Urlaub ging ich dann nochmal zu meinem Osteopathen, der mir den Brustkorb tapte, um die Rippenregion ruhig zu stellen. Leider entwickelte ich eine Pflasterallergie und fand mich am Abend vor der Abreise in der Notaufnahme wieder. Die Bläschen sahen so aus wie die von der Gürtelrose.

Der Arzt in der Notaufnahme gab mir zu Verstehen, dass das Tapen des Brustkorbes absoluter Blödsinn gewesen wäre und gab mir eine Bepanthen Salbe für die Blasen mit. Er meinte, ich solle doch bitte akzeptieren, dass ich schwer krank gewesen wäre und nun länger bräuchte, um mich zu erholen. Vor ein paar Jahren wären Menschen an dieser Krankheit einfach noch verstorben. Die Therapie, die ich durchgemacht hätte, wäre ziemlich hart und es bräuchte einige Jahre, bis ich mich davon regenerieren würde.

Etwas verwirrt ging ich nach Hause und beschloss einfach weiterhin langsam zu machen. Die Ansage war zwar etwas unsensibel. Aber irgendwie dachte ich mir, je mehr ich mich gegen die Schmerzen auflehne, desto schlimmer wird es.

Vielleicht braucht es einfach eine Akzeptanz und das Loslassen, um zu genesen?

Runterkommen am Meer

Eigentlich wollte ich noch vor dem Winter probieren auf mein Surfboard zu kommen. Aber mit den ganzen Schmerzen und der Rippenblockade beschloss ich einfach noch zu warten. Die Woche in Dänemark hat trotzdem sehr gut getan. Jeden Tag waren wir am Meer spazieren, haben gepuzzelt, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht hatte. Eine erste kleine Saunasession ging auch. Der Druck auf den Rippen ging ein wenig zurück. Nur der Tennisellenbogen tat weiterhin weh. Auch wenn ich den Surfern im Wasser sehnsüchtig zuschaute, so war ich dankbar, einfach am Meer zu sein und die Zeit zu genießen.

In kleinen Schritten

Die Zeit bis zur Wiedereingliederung verging wie im Flug. Ich versuchte meinen Rhytmus zu finden, kochte viel mit meiner Gemüsekiste, besuchte meine Eltern über Weihnachten, ging viel Spazieren, Freunde kamen zu Besuch und nebenbei ging ich regelmässig zur Physiotherapie, Lymphdrainage und Akupunktur. Und nach ein paar Physiotherapien, konnte ich langsam mit meinem T-Rena Sport Pogramm starten. Hinzu kamen die ersten Nachkontrollen, die auch zum Glück positiv ausfielen. Ich versuchte immer mehr loszulassen. So beschloss ich auch, mir so viel Zeit zu nehmen, wie nötig war, um mich immer mehr zu erholen. Dies bedeutete auch, meine Wiedereingliederung in den Job nochmal um einen Monat zu schieben und mich von der Krankenkasse aussteuern zu lassen. Somit musste das Arbeitsamt für einen Monat einspringen. Rückblickend war auch das die richtige Entscheidung. Ich nahm mir Zeit.

Musiktherapie

Foto von Darcy Lawrey von Pexels

Nachdem ich in der AHB mit der Tanztherapeutin reflektiert hatte, dass ich für meine weitere Therapiebegleitung zur Verarbeitung der Krebserkrankung eine andere Form als die Verhaltenstherapie benötigen würde, so sprach ich auch nochmal mit meiner Verhaltenstherapeutin. Sie unterstütze mich und sagte auch, es wäre sinnvoller für mich etwas zu suchen, wo ich mehr in den Kontakt mit mir selber kommen.

Angebot der Psychoonkologie am UKE

Nach ein paar Telefonaten landete ich dann doch in der Beratung der Psychoonkologie des UKEs. Hier können sich Krebspatienten und ihre Angehörigen während oder auch nach einer Krebserkrankung beraten lassen. Mit einem Aufnahmeverfahren von ca. 2 Monaten musste ich zwar noch ein bisschen warten, bis es nach der Reha endlich für mich mit einer Therapie weiterging, aber das Warten hat sich gelohnt. Nach einem Fragebogen, den ich vorab zugeschickt bekommen habe, folgte ein Erstgespräch. Hier wurde mit mir reflektiert, welche Bedürfnisse ich als Patientin habe. So enstand die Idee, dass ich mit einer Musiktherapie weitermachen würde. Die erste Sitzung mit der Musiktherapeutin fand dann im Januar statt. Und ich merke – es tut mir richtig gut.

Orgelspielen

Nachdem mein Tennisellenbogen etwas besser wurde, traute ich mich auch wieder meine Idee des Orgelspielens zu verfolgen. Mit den Tipps von dem Organisten auf Föhr, fand ich Regine Schütz als Organistin in der Evangelischen Paul Gerhard Kirche. Und kann nun auch in der nahgelegenen katholischen Kirche bei mir ums Eck üben. Die Zeiten in der Kirche mit der Orgel tun mir unheimlich gut. Ich sehe auch diesen Weg ein wenig als Erweiterung meiner Musiktherapie und meiner Auseinandersetzung mit mir selber. Mal abgesehen davon, dass mir das Orgelspielen absolute Freude bereitet.

Über das Loslassen / Dalai Lama

Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt.

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